Baranka Park Gedenkfeier 2016

Teaser Barankapark Gedenkfeier8. Baranka Park Gedenkfeier
20. Mai 2016, 17-22 Uhr
Belgradplatz, 1100 Wien
(Anreise: Straßenbahn 6, Haltestelle Bernhardtstalgasse)


Die Baranka Park Gedenkfeier wird seit 2009 vom Verein Voice of Diversity jedes Jahr am 20. Mai auf der ehemaligen Hellerwiese im 10. Wiener Gemeindebezirk organisiert mit dem Ziel, jener Roma und Sinti zu gedenken, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.

 

PROGRAMM:

17 Uhr – Eröffnung

17.15 Uhr – Musikgruppe ELEMU, Volksschule Bernhardtstalgasse

17.30 Uhr – Wiener Jüdischer Chor unter der Leitung von Roman Grinberg

Seit 2002 leitet Roman Grinberg, der wie kein anderer die jüdische Musikszene in Wien prägt, den Wiener Jüdischen Chor. Die Wiederbelebung des jiddischen Lieds ist das zentrale Anliegen des Chors. Die internationalen, jüdischen und nicht-jüdischen Mitglieder des Chors erfüllen die über Generationen weitergegebenen Lieder, die mit dem europäischen Judentum beinahe untergegangen wären, mit neuem Leben und zeigen so, dass jüdische Musik in der reichen Wiener Kulturszene von heute wieder ihren festen Platz hat.

18.30 Uhr – Musikschule Favoriten unter der Leitung von Albin Paulus und Milos Todorovski

19.15 Uhr – Doron Rabinovici & Harri Stojka „Jenseits von Ohnehin“
Doron Rabinovici liest Szenen aus seinen beiden Romanen „Andernorts“ und „Suche nach M“. „Andernorts“ beschäftigt sich mit Herkunft, Identität und Zugehörigkeit. Das Leben einer jüdischen Familie wird beschrieben, wobei der Autor ihre alten Geheimnisse aufdeckt und sie bei neuen Heimlichkeiten beobachtet. Der Roman „Suche nach M“ beschäftigt sich mit Fragen der Erinnerung und dem Schuldgefühl des Überlebens. Harri Stojka stellt dem Text die Musik der Lovara Roma gegenüber, eine virtuose und sehr humorvolle, aber auch tiefgründige Musik, die sich aus der leidvollen Geschichte der Roma entwickelt hat und durch diesen gemeinsamen Hintergrund der Verfolgung gut mit den Texten Rabinovicis harmoniert. Ein Dialog voll Dissonanz und Harmonie, aber auch voller Nachdenklichkeit und Gefühl.

20 Uhr – Birgit Denk Trio
Birgit Denk und ihre Kollegen präsentieren ihr neues Programm. Es wird gewohnt launig musiziert und Schmäh geführt, für keinen Geringeren als „Fia di!“ Ein Konzertereignis, bei dem jede/r gemeint ist und angesprochen wird. Birgit Denk nimmt sich dafür die Freiheit für ihr Publikum tief in der eigenen Liedkiste zu kramen, zu entstauben und an diesem Abend spielfreudig neu zu präsentieren.

21 Uhr - Harri Stojka Band
Der international bekannte Gitarrenvirtuose Harri Stojka wendet sich mit diesem Projekt seinen "Wurzeln" zu. Wobei in diesem Fall “Wurzeln” eigentlich “Straßen” bedeutet – jene, denen seine nomadischen Vorfahren über Jahrhunderte zwischen Asien und Europa gefolgt sind. Ihre Musik wurde so zum Spiegel der Klangkünste ganzer Kontinente, die sie mit ihren eigenen Traditionen von Improvisation und Virtuosität verbanden. Harri Stojkas musikalische Laufbahn ist immer schon eine Fortsetzung dieser alten Reise gewesen und sie hat auch ihn zu immer neuen Formen von Musik geführt.


Ein historischer Ort - Rastplatz der Roma

Lange Zeit war die Hellerwiese, heute Baranka Park benannt, Lager- und Rastplatz der Roma (Lovara) und Sinti die ihre Teppiche, Stoffe und Pferde bis ins Grazer Becken handelten. Die fahrenden Händler lebten mit ihren Wohnwägen auf der Wiese in unmittelbarer Nähe zur Schokoladen-Fabrik Heller. Der Austausch mit den Nachbarn war freundschaftlich und von gegenseitigem Respekt (siehe „Zeitreise in eine unbeschwerte Kindheit“, Der Standard, 2000). Bis 1938 das NS-Regime auf die Roma- und Sinti Familien aufmerksam wurde. Das Gelände wurde zunächst eingezäunt und Stand unter Beobachtung. Im Jahr 1941 verschleppte die Gestapo alle auf der Wiese lebenden Menschen in Konzentrationslager.  


Zeitzeuge Mongo Stojka

Johann „Mongo“ Stojka, der als Kind mit seiner Familie selbst auf der Wiese gelebt hatte, war einer der ganz wenigen, die das Konzentrationslager überlebten. Mit Hilfe seines Sohnes Harri Stojka, dem international bekannten Gitarren-Virtuosen, begann er schließlich, die Geschichte dieses historischen Ortes, die auch seine eigene war, aufzuarbeiten und öffentlich zu machen, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

In seinem Buch "Papierene Kinder" (Molden, Wien 2000) hat Mongo Stojka versucht, den blanken Horror zu benennen, es sind Erinnerungen an eine ausgelöschte Roma-Familie. Es sind auch Erinnerungen an die Hellerwiese, die den Roma und Sinti seit dem 18. Jahrhundert als Lagerplatz diente.

Gedenken im Baranka Park

Mit der Unterstützung des „Kulturraum 10", vertreten durch Charlotte Müller-Neumayer, gelang es Mongo Stojka 1999 eine Gedenktafel in dem heutigen Park zu errichten und einen roten Kastanienbaum, dem damaligen Lieblingsbaum der Lovarafamilien, zu pflanzen.

Im Jahr 2003 wurde die Hellerwiese schließlich nach der angesehenen Naturheilerin Helene „Baranka“ Huber - Großmutter von Mongo Stojka und Stammes-Oberste - in Baranka Park umbenannt. Seit 2007 organisiert der Verein Voice of Diversity die jährliche Baranka Park Gedenkfeier, um die unermüdliche Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung von Mongo Stojka, der im März 2014 verstorben ist, weiter zu führen.

Im Jahr 2014 wurden mit der Unterstützung des Vereins "Steine der Erinnerung" 6 Steine für jene Roma gesetzt, die die Gräuel des Nazi-Regimes nicht überlebten.

Mit der Gedenkfeier soll aber nicht nur der Opfer gedacht werden, sondern auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie der jüdischen und Wiener Kultur vermittelt werden. Namhafte MusikerInnen, AutorInnen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens treten jedes Jahr auf, um ihre Kultur zu präsentieren und einen Raum für Kennenlernen und kulturellen Austausch zu schaffen, um so einen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben zu leisten.




 
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